Ines Rost • 10. August 2026

Frauenstein…

… ist eine kleine Stadt im Erzgebirge. Hier wuchsen die Orgelbauer Andreas und Gottfried Silbermann auf. Doch die Stadt hat neben den beiden bekannten Herren auch eine interessante Geschichte. Diese ist eng mit der Burg Frauenstein verbunden und beginnt um die Zeit des ersten Berggeschreys. Mit dem Silberfund bei Freiberg im Jahr 1168 besiedelten mehr und mehr Menschen diese Region entlang der Grenze zwischen der Mark Meißen und dem Königreich Böhmen. In diesem Zuge entstand auch die Handelsstraße zwischen Freiberg und Teplitz. Sie führte dort entlang, wo heute Frauenstein ist. Die Burg diente zum Schutz der Grenze und vor Raubrittern und Räubern.

 

Wie alles begann

 

Die erste urkundliche Erwähnung von Frauenstein findet man in Schriftstücken von 1218. Doch ist es sehr wahrscheinlich, dass Markgraf Dietrich bereits um 1200 an dieser Stelle eine Burg errichten ließ. 1272 war diese im Besitz der Ritter Johannes und Heinrich von Siden. Sie nannten sie "de Vrowensten". Bis 1329 besaßen verschiedene Vasallen der Meißner Markgrafen die Burg Frauenstein. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, die Straße und Grenze zu sichern. Danach wurde sie an den Markgrafen von Meißen - der aus dem Hause Meinheringer stammte – verpfändet. Wenig später ging sie gänzlich in den Besitz des Burggrafen über. Dabei gab der Markgraf der Burg nicht nur das Recht zum Bewohnen, sondern bei Bedarf auch für militärische Zwecke zu nutzen.

 

Diese Rechte führten dazu, dass man begann, die Burg - die zunächst nur aus der Kernburg und dem Südturm bestand - zu erweitern. Und so entstanden neben dem Wohnturm (der dicken Merten) auch der Palas mit einer Burgkapelle und einem Torhaus sowie das Wächterhaus und der Zwinger im östlichen Teil der Burganlage. Nun verfügte sie neben einigen Wohn- auch über Wirtschaftsräume wie Küche und Lagerräume. Die Wasserversorgung erfolgte durch eine Zisterne, in der Regenwasser gesammelt wurde. In Trockenzeiten brachten Esel das Wasser in Wasserschläuchen in die Burg.

 

Die Belagerung

 

Der Burggraf von Meißen (Heinrich II. von Meinheringer) residierte ab 1381 in Frauenstein. Im Jahr 1411 verlieh er dem Ort das Stadtrecht. Mit dem Tod von Heinrich II. starb das Haus von Meinheringer aus und die Burg wurde von Kaiser Sigismund an Heinrich IX. von Plauen verlehnt. Doch der Markgraf von Meißen Friedrich der Streitbare, der 1423 zum Kurfürsten ernannt worden war, wollte Frauenstein in seinen Besitz haben und besetzte sie.

 

So kam es zur Fehde zwischen der Familien von Plauen und Friedrich II. der Sanftmütige (Sohn von Friedrich dem Streitbaren). Dieser Konflikt nahm mit der sechswöchigen Belagerung 1438 seinen Höhepunkt. Dabei setzte man eine sogenannte „Steinbüchse“ ein. Die Art von Geschütz gehört zu den ersten Kanonen, mit denen man Steinkugeln von bis zu 75 kg verschießen konnte. Um die „Steinbüchse“ zu transportieren, musste man etwa 12 Pferde aus Dresden kommen lassen. Drei dieser Steinkugeln stecken heute noch in einem der Türme der Ruine.

 

Die Burg Frauenstein wurde während der Belagerung beschädigt, aber nicht eingenommen. Und die Fehde wurde beendet, indem sich die beiden Parteien einigten. Der Kaiser legte mit einem Schiedsspruch fest, dass die Familie von Plauen den Titel des „Burggrafen von Meißen“ weiterführen durfte. Ihren Besitz in Meißen sowie Frauenstein mussten sie jedoch dem Markgrafen von Meißen (und Kurfürst von Sachsen) überlassen. Bereits im September 1439 hielt Friedrich II. der Sanftmütige Hof auf Frauenstein.

 

Die Geschichte der Burg und des Schlosses

 

In den darauffolgenden Jahren (bis 1472) diente die Burg als kurfürstliches Amt und wurde von verschiedenen Vögten verwaltet. Von 1473 bis 1647 belehnten die Familie von Schönberg Frauenstein. Als dauerhaften Wohnsitz bot sie nur wenig Komfort und so ließ Heinrich von Schönberg neben der Burg ein Schloss im Renaissance-Stil sowie ein Lustschloss und das Torhaus errichten. Als Baumeister beauftragte man Hans Irmisch. Der Grundstein für den neuen Bau wurde am 13. Mai 1585 gelegt. Nur drei Jahre später konnten Heinrich von Schönberg und seine Familie in das Schloss einziehen. Während des Schlossbaus wurden die Wirtschaftsgebäude - der nun nicht mehr genutzten Burg – abgerissen, die restlichen Bauwerke verfielen oder wurden durch die Stadtbrände in den Jahren 1728 und 1814 zerstört.

 

Die prachtvoll gestalteten Räume des Schlosses fielen 1532 dem Dreißigjährigen Krieg zum Opfer. Nach dem Krieg war die Familie von Schönberg hoch verschuldet und musste das Schloss verkaufen. So gelangte es 1648 in den Besitz des sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. Er und seine Nachfolger nutzten das Schloss bis 1873 als Verwaltungssitz.

 

Die Ruine der Burg war bei Malern der Romantik, wie Adrian Zingg (1734 – 1816), Ludwig Richter (1803 – 1884) oder Johann Alexander Thiele (1685 – 1752), sehr beliebt. Der Bereich des Schlosses wurde zu etwa der gleichen Zeit neu gestaltet, wobei die im Dreißigjährigen Krieg beschädigten und nicht wiedererrichteten Wirtschaftsgebäude abgerissen und eine Ringmauer um den oberen Teil des Schlosshofes errichtet wurden. Währenddessen verfielen die Reste der Burg immer mehr, bis der einheimische Baumeister Arthur Göpfert sich dieser annahm und Ausgrabungen veranlasste. In diesem Zusammenhang fanden ebenfalls Sicherungsarbeiten statt. Im Schloss befand sich von 1900 an das Heimatmuseum (seit 2021 findet man die Geschichte der Stadt und Gottfried Silbermann am Markt 4). Nach dem Zweiten Weltkrieg befand sich das Ferienlager des Reichsbahnausbesserungswerks Karl-Marx-Stadt im Schloss Frauenstein. Heute ist das Schloss in privater Hand und die Burgruine ein Teil des Silbermann-Museums.

 

Ein etwas anderer Bau befand sich direkt an der Schlossmauer. Dort errichtete man 1923 eine Skisprungschanze. Diese wurde bis 1971 für verschiedene Sportveranstaltungen genutzt. Nach dem Abriss der Schanze wurde die Öffnung in der Schlossmauer geschlossen und man sieht heute nur noch eine Allee im Park.

Die Stadt Frauenstein


 

Die Geschichte des Ortes und der Burg sind eng verbunden. Vermutlich war die erste Siedlung im Kuttelbachtal - nordöstlich am Fuß der Burg. In den Aufzeichnungen aus dieser Zeit wird oft nur die Burg genannt, was die Geschichte des Ortes im Dunkeln lässt. Erste Erwähnungen findet man aus dem Jahr 1384. In dem Jahr ließ der Burggraf eine Kapelle in Frauenstein errichten. Mit dem Stadtrecht erhielt die Gemeinde am Fuße der Burg Frauenstein unter anderem das Marktrecht und gewann an Bedeutung. Bald gehörten 20 Dörfer zu dem Gebiet der Stadt und es entstand das Amt Frauenstein als Verwaltungsstelle.

 

Im 15. Jahrhundert „verlegte“ man die Stadt vom Kuttelbachtal - was östlich der Burg liegt – auf die südliche, etwas höher gelegene Seite der Burg. Die Gründe waren vermutlich der Hussitenkrieg und der Verlauf der Handelsstraße zwischen Freiberg und Teplitz. So entstanden um den zentralen Markt die Stadtkirche (1491), das Pfarrhaus (im selben Jahr), eine Badestube (1493) sowie die Stadtmauer mit vier Toren (1512 fertiggestellt). Für die Wasserversorgung der „neuen“ Stadt wurden hölzerne Wasserleitungen (1479) bis auf den Markt verlegt. Nach den verheerten Stadtbränden bauten die Einwohner ihre Stadt wieder auf. Und auch die Pest, die im 16. und 17. Jahrhundert mehrfach in Frauenstein wütete, forderte viele Opfer. Bekannt wurde die Stadt im Erzgebirge durch einen bekannten Einwohner – Gottfried Silbermann.


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Fotos: Ines Rost






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Geschichte - was ist das eigentlich? Sie ist etwas Vergangenes, manchmal etwas Geheimnisvolles und Spannendes, schön, jedoch kann sie auch schrecklich sein. Dabei kann man eine Geschichte erzählen und damit jemanden von etwas Erlebten oder Erfundenen berichten. Oder man betrachtet es etwas „wissenschaftlicher“ und meint dann damit eine Aneinanderreihung von Geschehnissen in der Vergangenheit. Geschichte findet man nicht nur in Bibliotheken, auf den unterschiedlichsten Internetseiten (was die digitale Variante ist) oder in Museen. Sie hinterlässt ihre Spuren in der Architektur von Gebäuden oder in der Form von Städten und Ländern. In vielen Orten stehen zudem Denkmäler, die an historische Ereignisse erinnern sollen. Auch Herrenhäuser und Schlösser haben ihre Geschichte. Manche davon können heute besichtigt werden, andere sind nur noch Ruinen, aber trotzdem interessant und (mitunter) voller Geheimnisse. In der Geschichte gab es viele verschiedene Menschen, die sie geprägt oder sogar verändert haben. Manchmal waren es ganze Gruppen, manchmal nur einzelne Personen. Manchmal geschah etwas mit Tumult oder sogar Krieg und manchmal ganz im Stillen oder im Hintergrund. In der Geschichte findet man auch Hintergründe für Traditionen und Feiertage (diese können hin und wieder etwas mystisch sein) sowie die Herkunft von Begriffen, wie Orts- oder Familiennamen. Mit der Entwicklung von Werkzeugen und später Maschinen entstanden und änderten sich das Handwerk und die verschiedenen Berufe. Einige davon gibt es heute nur noch in Museen. Die einzelnen Epochen der Geschichte zeigen die Entwicklung der Menschen, die Entstehung von Ländern und Gesellschaften mit ihren eigenen Sitten und Kulturen. Jede Zeit hat dabei ihren eigenen Kunststil – in der Musik, in der Malerei oder in der Architektur – hervorgebracht. Die Geschichte zeigt uns, woher wir kommen und wie wir Schritt für Schritt zu dem wurden, was wir heute sind. Aus ihr können wir lernen, denn viele Dinge gab es in der Vergangenheit bereits. Dabei müssen es nicht immer die großen „Namen“ – wie Martin Luther, Napoleon oder Leonardo da Vinci – der Geschichte sein. Jede Familie schreibt ihre eigene Geschichte, die manchmal in Form von Fotografien und Tagebüchern oder Ähnlichem festgehalten wurde und immer noch wird. Diese Dinge helfen bei der Familienforschung und der Erstellung eines Familienstammbaumes. Und wenn man es mal so betrachtet: Das, was wir heute tun, ist morgen schon Geschichte und könnte unsere Zukunft beeinflussen.